Begegne dir selbst im Yoga
Manchmal werde ich gefragt, wie ich eigentlich selbst zum Yoga kam und warum es mich nach so vielen Jahren immer noch so sehr begeistert.
Um diese Frage zu beantworten, bedarf es tatsächlich einmal tiefer in meine persönliche Lebensgeschichte zu schauen, denn ich kam schon sehr früh mit Yoga in Kontakt, damals zum ersten Mal mit 23. Yoga half mir in einer eher schwierigen Zeit, in der ich mental in einer Identitätskrise steckte. Diese Krise zog auch körperliche Beschwerden nach sich, ganz klassisch, da Körper, Geist und Seele natürlich zusammen gehören.
Die Suche nach mir selbst in der Zeit meines Studiums war nicht leicht. Sinn-Fragen, die sehr tief gingen, beschäftigten mich und die Welt, so wie sie mir erschien, war nicht leicht zu verstehen für mich: Ungerechtigkeiten, Kapitalismus, Angst und viele Verhaltensweisen von Menschen in der Welt, die für mich gar keinen Sinn ergaben. Zu diesem Zeitpunkt klopfte meine Seele bei mir an mit einer wichtigen Botschaft:
„Geh mit deinem Gefühl und tue das, was sich im Herzen für DICH richtig anfühlt.“
Klingt erstmal logisch und klar. War aber damals in meinem Alter nicht so leicht umzusetzen. Mein Kopf mischte sich ständig ein. Angst, nicht dazuzugehören, wenn ich mich anders entscheide und einen anderen Weg wähle als alle anderen, kam hoch. Doch eines war damals für mich schon klar: Einen Weg zugehen, nur weil alle anderen ihn gehen, der sich für mich aber nicht richtig anfühlt, macht mich krank!
Und so musste ich scheinbar erstmal Leid erfahren auf körperlicher und geistiger Ebene, um das zu verstehen und um ganzheitlich aufzuwachen. Dieses Leid brachte mich eines Tages in Kontakt mit Yoga.
Jetzt mögen vielleicht manche denken, warum ein paar einfache „Entspannungsübungen“ mich wieder auf meinen Weg gebracht haben? Nun ja, auf dem ersten Blick sieht Yoga vielleicht nach nichtssagenden Dehnübungen oder nach Entspannungssport aus. Yoga beinhaltet jedoch noch so viel mehr als nur die körperliche Ebene, die sogenannten Asanas.
Tatsächlich aber waren es damals vor allem die Asanas (Körperübungen) in Verbindung mit dem Pranayama (Atemübungen), die mir dabei halfen, den Kopf auszuschalten und tiefer in mein Körperbewusstsein einzutauchen. Die Rückverbindung mit meinem Körperbewusstsein war für mich schließlich der Schlüssel für Heilung.
Yoga ist dennoch viel mehr: In der Yoga-Welt reden wir von dem 8-gliedrigen Pfad, der auf eine uralte Philosophie aus Indien beruht. Die Yogaweisheit besagt, dass es eine magische Verbindung gibt zwischen dem Leben, der Welt und dem Universum. Demnach fängt Yoga bereits damit an, wie du dich in der Welt verhältst, was du denkst und wie du mit dir selbst und anderen umgehst. Alles basiert auf Liebe bzw. Selbstliebe und mit dieser mitfühlenden herzoffenen Haltung begegnest du dir selbst quasi nicht nur auf der Yogamatte, sondern auch im Alltag und im Miteinander.
Wesentlich ist hier der Kontakt mit deiner Innenwelt. Je stärker du dich selbst in deinem Körper spüren kannst, desto besser bist du in der Lage deine innere Stimme wahrzunehmen, die dir für jede Entscheidung im Leben deinen Weg weist. Das Yoga hilft uns dabei, unsere eigene Energie in der Innenwelt zu erfahren, sie zu stärken, aufzubauen und sie in Liebe dort umzuwandeln, wo sie vielleicht manchmal unbewusst auf dem falschen Weg geraten ist. Yoga ist also Energiearbeit, die Körper, Geist und Seele verbindet.
Und so sind wir viel mehr als das, was unser Kopf über uns denkt. Unsere eigentliche Weisheit und das tiefere Bewusstsein befindet sich in unserem Körper und eben nicht im Kopf. Sobald es dir gelingen wird, in deinen Körper tiefer einzutauchen, wirst du spüren, wohin deine Reise geht, wer du wirklich bist, welche Fähigkeiten du mitgebracht hast und welches Leben du im Stande bist zu leben!
Yoga ist für mich Selbstbegegnung im Herzen.
Namasté.
Christina